Märchen zur Klimaneutralität (Teil 1)

An drei Standorten sollen Klärschlämme aus kleineren Kläranlagen vorgetrocknet werden, um sie danach in Rostock zu verbrennen. Dafür gab es einen Fördermittelantrag (VHB_Klimaschutz_Modellprojekte_2017-09-25) an das Bundesministerium für Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), der nun positiv beschieden wurde:

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Screenshot aus dem OZ-Artikel vom 21.6.2019


Wir hatten zwischenzeitlich recherchiert und folgendes herausgefunden:

1. Standort Stavenhagen

Der Fördermittelantrag enthält folgende Aussagen:

In Stavenhagen gibt es neben der Kläranlage ein Ersatzbrennstoffkraftwerk (EBS-Kraftwerk), welches Industriebetriebe mit Prozesswärme versorgt… Auch dieses Kraftwerk weist einen Wärmeüberschuss auf, sodass die Einbindung eines weiteren Trockners hier Sinn macht.

Dieses Kraftwerk liefert Abwärme auf höherem Temperaturniveau… p.16

Anmerkung: Die Müllverbrennungsanlage (MVA, „EBS-Kraftwerk“) wurde von Nehlsen errichtet und betrieben, 2015 aber an die EEW-GmbH verkauft.

Auf Nachfrage erhielten wir folgende Informationen:

„Die KKMV behaupten hier Trocknungsanlagen unter Vertrag zu haben ohne dass es z.B. in Stavenhagen Verträge gibt.“

Im Gegenteil: Die EEW-GmbH plant jetzt neben der MVA eine eigene Klärschlammverbrennungsanlage für 160.000 t/a (Originalsubstanz) Klärschlamm zu errichten und hat daher kein Interesse daran, die Rostocker Konkurrenz in deren Vorhaben zu unterstützen.

2. Standort Schwerin

Der Fördermittelantrag enthält folgende Aussagen:

„Am Standort Schwerin besteht neben der Kläranlage ein Heizkraftwerk, welches zu hohe Rücklauftemperaturen im Fernwärmesystem hat und derzeit Überschusswärme (durch zusätzliche Kühlleistung) vernichten muss. Diese Wärme geht ungenutzt verloren und kann weder reduziert, noch auf eine andere Art sinnvoll genutzt werden“ (p.15).

Das klingt wenig plausibel. Wir haben deshalb bei den Stadtwerken Schwerin nachgefragt.

Die Antwort der Stadtwerke ließ auf sich warten. Erst bei der dritten Nachfrage und unter Bezug auf das Informationsfreiheitsgesetz – IFG M-V erhielten wir eine klare Antwort:

„Die Aussage der elektrischen Kühlung der Fernwärmenetze zur Senkung der Rücklauftemperatur ist falsch. Das wäre energetisch Unsinn…

Geplant ist die Errichtung einer solaren Trocknung für die Klärschlamm auf  der Kläranlage Schwerin.  Diese Technologie ist üblich und soll Transportkosten sparen. Zusätzlich Fernwärme wird dafür nicht benötigt. Richtig ist, dass solare Trocknungsanlagen eine Abluftbehandlung benötigen. Die dafür genutzte Luft wird vorgewärmt. Es steht ausreichend Restwärme auf der Kläranlage Schwerin zur Verfügung, weil hier zwei BHKW im Einsatz sind. Der Schlamm wird in Faultürmen behandelt, das entstehende Faulgas wird in den BHKW genutzt.  Diese erzeugen 40% des Strombedarfs der Kläranlage. Daneben entsteht Abwärme, die auch für die Belüftung eingesetzt werden soll.“

Also eine ganz andere und nicht so elegante Lösung.

3. Standort Grevesmühlen

Der Fördermittelantrag enthält folgende Aussage:

In Grevesmühlen besteht eine Kläranlage mit Faulgas-BHKW, welches einen Wärmeüberschuss aufweist, der optimal für die Trocknung verwendet werden kann.

Wir fragten beim Bürgermeister von Grevesmühlen an, warum der Wärmeüberschuss der Kläranlage nicht besser für die Fernwärmeversorgung der Stadt genutzt wird – immerhin wurde die Kommune vor wenigen Jahren wegen ihres vorbildlichen Umweltengagements gewürdigt.

Also schrieben wir eine sehr freundliche und zugleich fachlich fundierte Anfrage an den Bürgermeister, die man hier nachlesen kann: 171218-an-grevesmuehlen

Wir mussten drei Mal anfragen, erst auf das Informationsfreiheitsgesetz – IFG M-V hinweisen und die Anfrage als eingeschriebenen Brief senden, bevor wir eine Antwort bekamen. Die hatte es dann aber in sich:

Ich möchte Ihnen mitteilen, dass ich mich nicht in der Lage und zudem nicht in der Zuständigkeit sehe, Ihnen die von Ihnen gestellten Fragen in der von Ihnen erwünschten Ausführlichkeit zu beantworten.

Denn es handelt sich um eine kommunale Angelegenheit Ihrer Heimatstadt Rostock, sich mit dem geplanten Projekt der Klärschlammkooperation MV auseinander zu setzen, diese Diskussion sollten Sie daher mit den gewählten Vertretern vor Ort führen. Und es gebietet m.E. der Stil, dass ich mich als Vertreter einer anderen kommunalen Körperschaft nicht in die demokratischen Entscheidungsprozesse  einmische.

Und es ist eine Entscheidungsfindung der Klärschlammkooperative MV selbst, die sich für das Vorhaben als Investorengemeinschaft verantwortlich zeichnet. Fragen an die Klärschlammkooperative bitte ich an sie direkt zu richten. Ich bin kein unmittelbares Mitglied eines Organs dieser Gesellschaft.

Der Verweis auf das Informationsfreiheitsgesetz läuft indes fehl, da die Stadt Grevesmühlen über keine Zuständigkeiten in den Fragestellungen verfügt. Dies ist insbesondere auch damit begründet, dass die Aufgabenstellung der Schmutzwasserentsorgung vollständig an den Zweckverband Grevesmühlen übertragen wurde.

Der Bürgermeister ist ja auch kein Mitglied im Zweckverband Grevesmühlen… (siehe weiter unten)! Wenn man den Preis als „Kommune des Jahres“ bereits 1917 erhalten hat, kann man sich ja ruhig ein wenig dumm stellen und so tun, als wäre die Verbrennung auch der Grevesmühlener Klärschlämme in Rostock eine rein Rostocker Angelegenheit.

In der Antwort des Grevesmühlener Bürgermeisters erscheint uns so viel dreist verbogen, dass wir etwas näher darauf eingehen – denn so sollte man mit mündigen Bürgern wirklich nicht umgehen, egal ob sie in Grevesmühlen oder andernorts wohnen!

  • „… dass die Aufgabenstellung der Schmutzwasserentsorgung vollständig an den Zweckverband Grevesmühlen übertragen wurde.“ In diesem Zweckverband ist Herr Bürgermeister Prahler 1. Stellvertreter des Verbandsvorstehers sowie 1. Stellvertreter des Vorsitzenden der Verbandsversammlung. Der Verbandsvorsteher Herr Bomball wiederum hat den Vorsitz im Aufsichtsrat der KKMV GmbH inne. Da kann Herr Prahler wirklich von nichts wissen! 

  • „… es ist eine Entscheidungsfindung der Klärschlammkooperative MV selbst, die sich für das Vorhaben als Investorengemeinschaft verantwortlich zeichnet. Fragen an die Klärschlammkooperative bitte ich an sie direkt zu richten. Ich bin kein unmittelbares Mitglied eines Organs dieser Gesellschaft.“ Wohl aber ein sehr mittelbares, siehe ersten Anstrich!
  • „es gebietet m.E. der Stil, dass ich mich als Vertreter einer anderen kommunalen Körperschaft nicht in die demokratischen Entscheidungsprozesse einmische“. Sie mischen sich aber ein, Herr Prahler, indem
    • Sie uns für dumm verkaufen,
    • die Klärschlämme des Grevesmühlener Zweckverandes (und damit auch den Klärschlamm der Kommune Grevesmühlen) in Rostock verbrennen lassen, statt ihn vor Ort auf klügere Art thermisch hygiensieren zu lassen (siehe unsere Argumente in dem Brief an Sie),
    • Sie mit der Klärschlamm-Verbrennung den Klimawandel beschleunigen, statt ihn durch eine bessere, lokale Lösung abzubremsen,
    • Sie den Abgeordneten der Grevesmühlener Stadtvertretung und auch den Mitgliedern der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Grevesmühlen eine klimaschädliche Problemlösung als fortschrittlich verkaufen ließen.

Eine „Kommune des Jahres“ (Unternehmer-Preis des Ostdeutschen Sparkassenverbandes), die sich auch als „Smart-City“ versteht, sollte sich wirklich anders verhalten.

Nur mal so zum Verständnis zwei Zitate:

  1. Seit 2014 betreiben die Stadtwerke ein Nahwärmenetz, das ausschließlich mit Abwärme vom Klärwerk für den direkt angrenzenden Industrie- und Gewerbepark gespeist wird. Bei weiterem Wärmebedarf ist die Einbindung an das Fernwärmenetz der Stadtwerke geplant.

  2. Überzeugt hat Grevesmühlen die Jury allen voran mit dem Thema Nachhaltigkeit. Mit einem Mix von Biogas, Windenergie und Photovoltaik wolle die mecklenburgische Stadt ihren Energiebedarf decken, hieß es in der Begründung.

Von einer bereits damals schon geplanten Verbrennung des Grevesmühlener Klärschlammes wusste die Jury offenbar nichts…

4. Ausblick

Die errechneten „CO2-Einsparungen“ kommentieren wir in nachfolgenden Beitrag.

Auf die uns abenteuerlich anmutende Behauptung, es sollen „innovative Wege demonstriert werden, wie Klärschlamm auf klimafreundlichere Weise genutzt werden kann“ (Fördermittelantrag p. 23) sind wir bereits an anderer Stelle eingegangen.

Und bezüglich der ähnlich „seriösen“ Aussagen über „positive Auswirkungen auf Abfallentsorgungs- und Energiepreise, von denen die Bürger direkt profitieren. Außerdem trägt das Vorhaben zur nachhaltigen Erhaltung der Lebensgrundlagen und damit zu Verbesserung der Lebensqualität bei“ (Fördermittelantrag p.24) verweisen wir u.a. auf unsere Kostenanalyse vom 2.6.

Immer noch Fragen, liebe Bürger?

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Jeder für sich?

Unlängst erhielt unser Verein „Pro Recycling e.V.“ eine interessante Einladung:

Liebe Freunde, Genossen und Umweltschützer,

ich lade Euch/Sie herzlich ein zur Gesprächsrunde zum Kampf gegen die drohende Umweltkatastrophe, was zu einer wesentlichen Überlebensfrage der Menschheit geworden ist. Alle, die diesen Kampf führen wollen, müssen sich zusammentun und dabei auch ungeklärte Fragen bzw. Differenzen klären. Dem soll diese Gesprächsrunde dienen.

Alle Umweltkämpfer sind herzlich eingeladen!

Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands

und REBELL Rostock

Beteiligen wir uns am Protest und Streiktag am 20. September gegen die drohende Umweltkatastrophe!

Natürlich bin ich hingegangen – und war der einzige Gast. Kein Grüner, kein Vertreter der Umweltverbände, keiner von F4F, auch kein Landwirt… Man könnte die Aufzählung noch fortsetzen, aber was soll’s. Jeder stirbt für sich allein. Die Menschen sind nicht lernfähig!

Kurzmitteilung | Veröffentlicht am von | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Märchen zur Klimaneutralität (Teil 2)

Rechenkünstler

Im Fördermittelantrag der Klärschlamm-Kooperation GmbH (VHB_Klimaschutz_Modellprojekte_2017-09-25) an das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) wird erklärt, wie man durch Verbrennung CO2 einsparen kann. Wir versuchen, diese erstaunliche Möglichkeit nachzuvollziehen.

1. Erster Berechnungsansatz

Eine Trocknung des Klärschlamms führt dazu, dass der Heizwert des Klärschlamms erhöht wird. Bei der Trocknung wird eine Energiemenge von etwa 1.100 kWh benötigt, um eine Tonne Wasser aus dem Klärschlamm zu entferneni. Dabei wird, ausgehend von einer Trocknung von 24% Trockensubstanz (TS) auf etwa 74% TS, eine Wassermenge von etwa 20.000 Tonnen pro Jahr verdampft. (p.19-20).

Unter welchen Bedingungen? Die werden leider nicht genannt, dabei sind einige Variablen zu bedenken. Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere noch an die Schulzeit oder schlägt im Internet nach. Da könnten er/sie auf folgende Hinweise stoßen:

Naja, eigentlich muss man ein paar Randbedingungen kennen, wie Umgebungsdruck und Ausgangstemperatur. Wenn du das beides weißt, suchst du dir aus einer Wasserdampftafel die Verdampfungsenthalpie raus, also h“-h‘ und addierst noch die Differenz zwischen der Enthalpie auf der Siedelinie h‘ und der Enthalpie im Ausgangszustand (Umgebungsdruck und Ausgangstemperatur). Damit hast du alles was du brauchst.ii iii

Mit anderen Worten: Die zitierte Aussage aus dem Fördermittelantrag der KKMV überzeugt zumindest keinen fachlich interessierten Laien. Ob sie die Fachleute im BMU überzeugen konnte, lassen wir mal dahingestellt angesichts der vielen anderen Widersprüche im Fördermittelantrag, die vom BMU (ebenfalls) hingenommen wurden

Es mag ja sein, dass es bei den Fachleuten brauchbare Berechnungsformeln gibt. Aber wäre es dann nicht angemessen, sie im Förderantrag zumindest als Link einzufügen, statt an anderer Stelle (p. 32) lediglich anzumerken, dass der (zum Zeitpunkt der Antragsstellung tätige) Geschäftsführer Jacobsiv Mitglied der DWA und dort Sprecher der KS-Trockungsgruppe ist?

Im übrigen steht der Entwurf des DWA-Merkblattes „Klärschlammtrockung“ bis zum 31. August 2019 noch zur Diskussionv. Also nichts Genaues weiß man nicht.

Dennoch gibt es im Fördermittelantrag die quasi bedingungslose Aussage, „Bei der Trocknung wird eine Energiemenge von etwa 1.100 kWh benötigt, um eine Tonne Wasser aus dem Klärschlamm zu entfernen.“ Sie bildet die Voraussetzung für die nachfolgende Berechnung der „CO2-Einsparung“:

Die durch Abwärme und Solarenergie in den Klärschlamm CO2-neutral eingebrachte Energie entspricht dadurch etwa 22.000 MWh pro Jahr. Würde man diese Wärme mit Erdgas erzeugen, würden etwa 4.840 Tonnen CO2 entstehen.

Wiederum provoziert diese pauschale Aussage Fragen:

  • Wie kann die zur Trocknung verwendete Energie „CO2-neutral“ eingebracht werden, wo doch Anlieferung, ständiges Bewegen des Klärschlammes in der Trocknungsphase und seine intensive Belüftung (p. 13 und 15) sowie die Entnahme des getrockneten Schlammes ohne Energieaufwand nicht möglich sind?
  • Welches Verfahren zur Wärmeerzeugung mit Erdgas wurde zugrunde gelegt? Einfaches Beheizen eines Warmwasserkessels oder (besser und seit langem üblich) Abwärmenutzung eines erdgasbetriebenen Generatorsvi? Die Unterschiede im Erdgasverbrauch sind mächtig gewaltig!

2. Zweiter Berechnungsansatz

Hier lautet der Text kurz und bündig (aber nicht unbedingt nachvollziehbar):

tab-6
Auch dieser Ansatz wirft mehr Fragen auf als er Klarheit schafft:

  1. Für den „Heizwert nass“ werden 28.500 t Klärschlamm mit einem mittleren Trockensubstanzgehalt von 24 % angesetzt. Die an anderen Stellen genannten Mengen und TS-Gehalte führen zu einem anderen Mittelwertvii.
  2. Die Heizwertsteigerung in der Tabelle entspricht zwar der Differenz zwischen Heizwert nass und Heizwert trocken, soll aber nun für eine Masse TS ganz ohne Wasseranteil (100 % TS) gelten.

Bei diesen unterschiedlichen / nicht übereinstimmenden Werten ist es relativ leicht, eine exakte Übereinstimmung der CO2-Einsparung zum ersten Berechnungsansatz herzustellen. Wer jedoch selbst schon Alternativrechnungen angestellt hat, weiß, dass eine exakte Übereinstimmung in der Regel auf einen Denk- oder/und Rechenfehler hinweist und wenig als Bestätigung taugt.

3. Zusätzliche CO2-Einsparung durch Transport-Minimierung

Für die Vortrocknung an den drei Standorten Grevesmühlen, Schwerin und Stavenhagen weist die KKMV GmbH eine CO2-Ersparnis von 109,1 t p.a. aus. Doch auch das ist eine Milchmädchenrechnung, denn

  1. kleine Kläranlagen unter 50.000 angeschlossene Einwohner dürfen den anfallenden Klärschlamm wie bisher direkt landwirtschaftlich verwerten. Wenn die Betreiber aber verantwortungsbewusst auch diese kleineren Klärschlamm-Mengen vor der Abgabe an die Landwirte thermisch hygienisieren wollen, so stehen dafür geeignete Verfahren direkt vor Ort (auf oder neben der Kläranlage) zur Verfügung. Das heißt, der Transport dieser Klärschlamm-Mengen ist absolut überflüssig!
  2. Analog gilt für Kläranlagen mit mehr als 50.000 angeschlossenen Einwohnern, dass es dezentrale Lösungen ohne jeden Transportaufwand gibt.

Auf diese dezentralen Alternativen gehen wir in einem späteren Post genauer ein.

4. Falsche Schlussfolgerung

Die KKMV GmbH zieht in ihrem Fördermittelantrag auf p.20 folgende falsche Schlussfolgerung:

Die Einsparung der Treibhausgase spiegelt sich im vorgestellten Vorhaben direkt durch die im Fernwärmesystem der Stadt Rostock verdrängte Wärme aus fossilen Brennstoffen wider. Diese Verdrängung hängt direkt mit der Vortrocknung zusammen, da die überschüssige Abwärme an den vier Standorten letztendlich die Wärmemenge ist, die an der Monoverbrennungsanlage selbst nicht mehr aufgewendet werden muss und dementsprechend als Fernwärme genutzt werden kann.

Diese Aussage ist viel zu pauschal. Welche „Wärme aus fossilen Brennstoffen“ soll „verdrängt“ werden? Abwärme aus den GuD-Anlagen, die mit einem Wirkungsgrad von 85 % laufen? Abwärme, die vom Steinkohlenkraftwerk übernommen wird und die bei „Verdrängung“ ungenutzt in die Umwelt entweicht?

Es sind so viele offene Fragen und dennoch finanziert das Bundesumweltministerium das Vorhaben mit Fördermitteln. Kennt es für die Verwendung dieser Mittel wirklich keine besseren Vorhaben?

 

i    Alle Hervorhebungen in den Zitaten (kursive Schrift) sind vom Blogautoren.

iv  In diesem Jahr (2019) ist er aus nicht bekannt gewordenen Gründen ausgeschieden.

vii Grevesmühlen: 7000 t, 28 % TS; Schwerin 10.000 t, 21 % TS; Stavenhagen 11.500 t, 19,5 % TS

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Klima und Zeitung

Die „Ostsee-Zeitung“ macht in ihrer aktuellen Wochenendausgabe wieder einmal deutlich, welchen Stellenwert sie dem Klimawandel und seinen Folgen beimisst.

(Erst) auf Seite 6 geht es los: Unter der Überschrift „Der Klimawandel wird nicht in Deutschland gestoppt“ findet sich eine Sammlung überwiegend kruder Leserbriefe. Unter einem Bild einer Schülerdemo (!) lesen wir u.a.:

„Der Klimawandel wird nicht in Deutschland gestoppt. Niemals. Dann müssen wir in Russland, China, Amerika demonstrieren gehen, sonst bringt das gar nichts.“

„Notstand an der Ostsee. Lachhaft. Wir sollten in unserem Land allmählich den Ball mal wieder flach halten. Die Welt lacht sonst über uns.“

„Wie überheblich der Mensch doch ist, dass er meint, alles auf dieser Welt beeinflussen zu können.“

„Im Kontext der Erhaltung unseres Planeten sind klimaorientierte Notstandsmaßnahmen eigentlich ein Zurück zur Normalität. Man stelle sich vor, der Klimawandel ist gestoppt – soll es dann heißen: ,Notstand’ aufgehoben, macht weiter wie davor?’ Aktuell schmilzt der Permafrost in einigen Regionen wesentlich schneller als erwartet – man ist dort 70 Jahre voraus. Das Schmelzen des Permafrost wird als Kipppunkt fürs Klima betrachtet. Bis dort wieder was gefriert, dauert es Äonen. Bis dahin also ,Notstand’?“

Was sind gegen solche veröffentlichungswürdige (???) Zuschriften schon dieStudents for Future“  oder die „Scientists for Future“?

Mit den zitierten Leserzuschriften lässt es sich wunderbar auf Dummenfang gehen und einen positiven Artikel über die beabsichtigte Klärschlamm-VERBRENNUNG publizieren (Seite 14 der Sonntagsausgabe):

Eine Verbrennungsanlage für Klärschlamm soll der erste Beitrag zur Energiewende sein.

Dies sei ein erster Beitrag zur Energiewende und die Hansestadt übernehme damit Verantwortung für die gesamte Region, sagt Bau-Senator Holger Matthäus.

Insgesamt geht man von einer CO2-Einsparung von 10 000 Tonnen pro Jahr aus.

Die OZ unterschlägt in ihrem Beitrag, dass

  • eine Klärschlamm-Verbrennung niemals ein Beitrag zur Energiewende sein kann, denn jede Verbrennung setzt CO2 frei (lernt man eigentlich in der Schule),
  • sich die behaupteten CO2-Einsparungen nur auf den verminderten Transportaufwendungen durch dezentrale Vortrocknung beziehen,
  • die behaupteten CO2-Einsparungen viel größer sein könnten, wenn die Klärschlämme überhaupt nicht transportiert würden, sondern dort thermisch behandelt (aber nicht verbrannt!) würden, wo sie anfallen (was auch den gesamten Investitionsumfang mindern würde),
  • von den drei genannten Vortrocknungs-Standorten mindestens einer (Stavenhagen) entfällt, weil dort EEW das Sagen hat und selbst verbrennen will/wird,
  • die Baukosten viel zu niedrig angesetzt wurden, denn die angeblich baugleiche Referenzanlage in Zürich kostete  nach Endabnahme 69.176.376,11 CHF (13.12.2016), das entsprach 61.643.810,67 €. Und die Schweizer sind bekannt als harte Rechner und haben auch im konkreten Fall ihrem Auftragnehmer einen nicht aufweichbaren Kostenrahmen vorgegeben. – Die KKMV GmbH hingegen nennt einen Investitionsbetrag von nur 50 Mio. €. Inzwischen sind aber die Baupreise deutlich gestiegen. Es wird also nicht bei den aktuell genannten 50 Mio. € bleiben und sich eher bei der doppelten Höhe einpendeln.
  • das Vorhaben nur deshalb kostendeckend ist, weil alle, aber auch alle Kosten (Planung, Bau, Betrieb, Entsorgung der Abfälle, spätere Phosphat-Rückgewinnung aus der Asche) von den Bürgern als „Schmutzwassergebühr“ bezahlt werden müssen.

Ob eine derart unvollständige Berichterstattung redlich ist, mögen die Leser entscheiden.

Immerhin bietet die OZ wichtige (?) Hinweise an, wie man in heißen Nächten gut schlafen kann.

Qualitätsjournalismus eben.

 

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VOR der OB-Stichwahl

Anfang Juni haben wir an die beiden OB-Kandidaten Steffen Bockhahn und Claus Ruhe Madsen einen Brief geschrieben mit folgendem Anliegen:

Sehr geehrter Herr Bockhahn, sehr geehrter Herr Madsen,

bei der Unterschriftensammlung zum Bürgerbegehren „Einfluss der geplanten Klärschlamm-Behandlung auf die Abwassergebühren“ merken wir immer wieder, dass viele Rostocker Bürger an einer gebühren- und klimafreundlichen Lösung beim Umgang mit den kommunalen Klärschlämmen interessiert sind.

Deshalb erlauben wir uns die Bitte um ein Statement von Ihnen: Wie werden Sie im Fall eines Wahlsieges das Thema angehen?

Noch sind die Aktivitäten zugunsten einer Verbrennung nicht so weit gediehen, als dass man sie nicht stoppen könnte (das ist ja auch das Anliegen des Bürgerbegehrens). Bezahlen müssen ohnehin alle Wasser verbrauchenden Rostocker Bürger und Gewerbetreibende sämtliche auflaufenden Kosten in Form der sog. Schmutzwassergebühr. Zeit für ein kluges Abwägen steht über viele Jahre zur Verfügung.

Alle Argumente zugunsten zukunftsfähigerer Lösungen haben wir auf unserem Blog www.mvahro.wordpress.eingestellt. Dort würden wir gerne auch Ihr Statement als Entscheidungshilfe der Bürger für die Stichwahl am 16.6. veröffentlichen.

In der Hoffnung, dass Sie unserem Anliegen entsprechen werden und

mit freundlichen Grüßen

gez. Dr. med. Marcus von Stenglin

Noch haben wir keine Antwort erhalten. Verständlich, denn am 7.6. fand überraschend ein „OZ-Wahlforum“ statt, auf das sich die beiden Bewerber natürlich gründlich vorbereiten wollten.

Also warten wir ab, noch erhoffen wir eine Antwort beider Kandidaten auf unseren oben zitierten Brief.

Von Herrn Steffen Bockhahn erhielten wir zwischenzeitlich folgende Antwort:

ich weiß, dass es Alternativen zur Verbrennung von Klärschlämmen gibt. Derzeit ist ein Prüfverfahren zur geplanten Anlage in Bramow im Gang. Die Ergebnisse sind abzuwarten. Ich hätte mir gewünscht, dass auch der Überseehafen als Standort einer Alternativenprüfung mit einbezogen worden wäre. Leider scheiterte dies mit nur einer Stimme.
Vor dem Bau einer solchen Anlage wären aus meiner Sicht in jedem Fall auch noch einmal Verfahren wie die Carbonisierung zu prüfen, so dass die Bürgerschaft in der finalen Entscheidung alle Optionen kennt und bewusst entscheiden kann.
Ein Freund der aktuellen Pläne bin ich nicht.

Eine Stellungnahme von Herrn Madsen liegt leider bislang noch nicht vor. Daher erlauben wir uns einige Anmerkungen zum Schreiben von Herrn Bockhahn:

  1. Es gibt kein neutrales Prüfverfahren, sondern nur einen von der KKMV GmbH gestellten Antrag auf Genehmigung der Klärschlamm-Verbrennung nach Bundesimissionsschutzgesetz. Dabei prüft die Behörde (StaLU MM) keine Alternativen!
  2. entsprechend Vorstehendem hat der Antragsteller (die KKMV GmbH) bereits die Planung für die Klärschlamm-Verbrennung ausgeschrieben.
  3. Alternative Verfahren zu prüfen ist nur möglich, wenn die Bürgerschaft ihren März-Beschluss aufhebt und damit das bereits eingeleitete Verfahren (Pkt. 1) stoppt. Einen entsprechenden Antrag könnte der neugewählte Oberbürgermeister stellen, so wie OB Methling den alten Antrag auf Verbrennung eingebracht hat. Aber nur Abwarten führt unweigerlich zur Klärschlamm-Verbrennung mit all ihren fatalen Folgen.

Jetzt haben wir auch die Antwort von Herrn Claus Ruhe Madsen erhalten:

Fragen der Klärschlammverbrennung möchte ich noch einmal grundsätzlich im Gespräch erörtern. Wir dürfen über die Geschwindigkeit bei einem übereilten Verfahren nicht Bedenken und Vorbehalte fördern. Wir benötigen mehr Fakten und eine Diskussion um Argumente, die insbesondere technologieoffen sein muss. Auch die Standortfrage muss in diesem Zusammenhang noch einmal auf den Prüfstand. Die Phosphorgewinnung bietet große Chancen, aber wir sind verpflichtet für die Bürgerinnen und Bürger das Verfahren so zu gestalten, dass wir die Chancen nutzen können, ohne die Menschen dabei auf der Strecke zu verlieren. Ich befürchte, dass wir aktuell ein wenig die Perspektive für die Chancen verlieren – deshalb noch einmal der grundsätzliche Ansatz mehr Fakten einzubringen.

Jetzt können und müssen die Bürger wählen. Bitte vor der Entscheidung, wo das Kreuz auf dem Wahlschein stehen sollte, auch den Blog-Beitrag „Was UNS die Klärschlamm-Verbrennung kosten wird“ vom 2.6. aufmerksam lesen!

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Was UNS die Klärschlamm-Verbrennung kosten wird

ALLE Kosten, die bei der Klärschlammverbrennung entstehen, werden in Form der Schmutzwassergebühr an uns Bürger und Gewerbetreibende weitergereicht.

Diese Schmutzwassergebühr berechnet sich bekanntlich nach der Höhe des verbrauchten Trinkwassers. Steigt sie gegenüber dem Istzustand deutlich an, ist das vor allem für diejenigen Gewerbetreibenden bedrohlich, die viel Wasser verbrauchen – allen voran die Beherbergungsbetriebe, denn Urlauber duschen oft und gerne. Die aus steigenden Schmutzwassergebühren resultierenden höheren Übernachtungspreisen in Rostock wird die auswärtige Konkurrenz begünstigen.

Aber auch andere Gewerbetreibende wären deutlich betroffen und müssten die erhöhten Kosten an ihre Kunden weiterreichen – beispielsweise die Friseure. So wie auch jeder Mieter die steigende Schmutzwassergebühr in den Nebenkosten wiederfindet.

Warum aber sollten die Schmutzwassergebühren durch die beabsichtigte Klärschlamm-Verbrennung steigen? Es gibt leider mehr als einen Grund.

1. Klärschlamm verbrennen ist die teuerste Lösung

Die „Klärschlamm-Kooperation MV GmbH“ (KKMV GmbH) will unbedingt verbrennen. Verbrennen ist die teuerste Option, eine gesetzeskonforme „thermische Hygienisierung“ einschließlich gesetzeskonformer Phosphat-Rückgewinnung wäre deutlich kostengünstiger (vgl. Pkt. 2).

a. Die Höhe der Investitionskosten ist geschönt

Die KKMV GmbH nennt einen Investitionsbetrag von 50 Mio. €. Der Baupreis für die Referenzanlage Zürich betrug nach Endabnahme 69.176.376,11 CHF (13.12.2016), das entsprach 61.643.810,67 €. Und die Schweizer sind bekannt als harte Rechner und haben auch im konkreten Fall ihrem Auftragnehmer einen nicht aufweichbaren Kostenrahmen vorgegeben. Ob das auch die KKMV GmbH schafft, bleibt anzuzweifeln (man denke an BER, Stuttgart 21, Elbphilharmonie).

Inzwischen sind die Baupreise deutlich gestiegen. Es wird also nicht bei den aktuell genannten 50 Mio. € bleiben und sich eher bei der doppelten Höhe einpendeln.

b. Eine 90 %ige Kreditfinanzierung verteuert das Vorhaben noch mehr

Die KKMV GmbH hat kaum eigenes Geld und will deshalb 90 % der Investition über Kredite finanzieren und diese über 30 Jahre hinweg tilgen. Nehmen Sie einen beliebigen Kreditrechner aus dem Internet und prüfen Sie selbst, wie sich ein Baupreis bei einer Tilgung über 30 Jahre hinweg erhöht!

c. Hohe, noch unbekannte Kosten für die Phosphat-Rückgewinnung

Der Gesetzgeber schreibt neben der „thermischen Hygienisierung“ auch eine Rückgewinnung der Phosphate aus dem Klärschlamm vor. Dafür haben die Verbrenner keine Lösung! Die Asche soll daher auf einer Mono-Deponie zwischengelagert werden (das kostet!), um später die Phosphate zu gewinnen. Wie kostenaufwendig das wird, kann z.Z. niemand abschätzen.

Auch diese noch gar nicht abschätzbaren Kosten werden (später) auf die Schmutzwassergebühr aufgeschlagen, denn verantwortlich für die Phosphatrückgewinnung sind und bleiben die Kommunen.

d. Die CO2-Bepreisung kommt schneller als der Ofen raucht

CO2-Emissionen werden in Kürze mit einer CO2-Steuer belegt, obwohl wir Bürger im konkreten Fall keinen Einfluss auf die CO2-Emissionen nehmen können (außer unsere Unterschriften verhindern noch den Bau des „Fäkalienofens“).

Über den klimapolititsch verantwortungslosen Aspekt einer zusätzlichen, vermeidbaren Verbrennung argumentieren wir an anderer Stelle, hier sollen die Kosten betrachtet werden.

e. Kosten infolge gesundheitlicher Beeinträchtigungen

Bei jeder Verbrennung entstehen zusätzliche Luftbelastungen, die zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen können – auch dann, wenn vorgegebene Grenzwerte eingehalten werden. Für die Betroffenen können erhebliche Behandlungskosten entstehen. Sie sind aber pauschal nicht quantifizierbar.

2. Es gibt kostengünstigere und CO2-freie Alternativen

Der Gesetzgeber fordert für Klärschlämme aus Anlagen, an die mindestens 50.000 Einwohner angeschlossen sind, eine thermische Hygienisierung und die Phosphatrückgewinnung. Drei verschiedene Lösungsansätze, die unter Luftausschluss arbeiten und daher kein CO2 freisetzen, können das leisten:

  • Vergasung von getrocknetem Klärschlamm (analog der seit 1938 bewährten Braunkohlevergasung zur Produktion von Synthesegas),
  • Hydrothermale Carbonisierung (HTC) analog der Sterilisierung von OP-Besteck in der Medizin, nur eben großtechnischer,
  • die klassische Pyrolyse von getrocknetem Klärschlamm verläuft analog der Holzkohleproduktion in einem Meiler (siehe Köhlerhof Wietgenhagen), nur eben technisch optimiert und kontinuierlich betreibbar.

Vergasung wird aktuell auf den Kläranlagen Mannheim, Balingen, Renningen praktiziert. Das ist also Stand der Technik. Die Technologie ist beliebig skalierbar bis herunter zu (Holz-) Vergasern für Pkw, kann also direkt neben der jeweiligen Kläranlage errichtet und betrieben werden. Jegliche Klärschlamm-Transporte entfallen.

HTC wird unterschiedlich bewertet. Die Uni Hohenheim merkt an: „Verfahren ist nicht ganz billig, wenn man es als Phosphat-Gewinnung betrachtet. Rückgewinnung von ca. 80% P als Struvit. Struvit ist ein anerkannter Dünger und aus unserem Verfahren schwermetallfrei.“ Andere bewerben HTC als „Vorschaltverfahren“ für die Verbrennung – dann ist das Gesamtprocedere jedoch nicht CO2-frei. Anders die Firma HTCycle, die in Murchin bei Anklam eine HTC-Industrieanlage betreibt und betont, dort Aktivkohle zu produzieren, 95% des im Klärschlamm enthaltenen Phosphors zu gewinnen und MAP herzustellen, „ohne irgendetwas übrig zu haben, das verbrannt werden muss“. Auch dieses Verfahren soll beliebig skalierbar sein und damit Klärschlamm-Transporte vermeiden.

Pyrolyse kommt den Empfehlungen des Weltklimarates am nächsten, ist aber in Deutschland nur für kleinere Klärschlammaufkommen verfügbar. Das Verfahren ist energieautark, für das kohleähnliche Endprodukt liegt eine EU-Zulassung als Dünger vor. Würde man alle zur KKMV GmbH gehörenden Kläranlagen mit Pyreg-Anlagen ausstatten, käme man auf einen Investitionsaufwand von rund 36 Mio. €. Dazu später mehr, aber im Vergleich mit dem Verbrenner-Vorhaben eine interessante Zahl und noch dazu ohne Transportaufwand und ohne CO2-Emission!

3. Schlussfolgerung

Die aktuell laufende Unterschriftensammlung in Form eines Bürgerbegehrens fordert deshalb die neugewählte Bürgerschaft auf, das Genehmigungsverfahren für eine Klärschlammverbrennung in Rostock zu stoppen und in aller Ruhe und Gründlichkeit sich über die kostengünstigeren und CO2-freien Alternativen zu informieren.

Dazu brauchen wir viel Unterstützung, um die Mindestanzahl für ein Bürgerbegehren in Rostock zu erreichen oder gar zu überbieten: 4000 gültige Unterschriften Rostocker Bürger!

Kontakt zur Nutzung der verfügbaren Unterschriftenlisten bitte über recycling-rostock@freenet.de

Details zu möglichen Alternativen finden Sie u.a. auf unserem Blog, in Sonderheit auf https://mvahro.wordpress.com/klaerschlamm-verbrennen/ und noch spezieller unter https://mvahro.wordpress.com/klaerschlamm-verbrennen/tagungsmaterial-02-03-2019/

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Wahlempfehlungen

Hier in letzter Minute einige ganz persönliche Wahlempfehlungen.

Wen sollte man in die Bürgerschaft wählen, wenn einem das Klima und auch der eigene Geldbeutel gleichermaßen am Herzen liegt?

Eindeutig gegen eine Klärschlamm-Verbrennung hat sich die (alte) CDU-Fraktion positioniert. Ihre ursprüngliche Wahlwerbung gegen die „Fäkalien-Verbrennung“ (siehe auch diesen Blog)hat sie zwar nicht weiter verfolgt, aber die gestandenen Kandidaten für die neue Bürgerschaft dürften alles andere als Umfaller sein und zu ihren bisher vertretenen Positionen stehen.

Ebenfalls ohne Wenn und Aber gegen eine Klärschlamm-Verbrennung hat sich die Rostocker FDP positioniert. Das konnte man gut an ihren Info-Ständen erkennen, wo unsere Unterschriftenlisten für das Bürgerbegehren für eine Neubewertung der Klärschlammbehandlung auslag. Die FDP vertritt über viele Jahre hinweg eine klare Position zugunsten zukunftsfähiger Verfahren im Umgang mit Abfällen – was uns erstaunt und erfreut.

Last not least sind die Freien Wähler zu nennen. Sie haben sich in und für ganz Mecklenburg-Vorpommern erfolgreich für die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge eingesetzt. Eine bessere Empfehlung kann es nicht geben. Bei der Unterstützung des Bürgerbegehrens sind sie ebenfalls voll dabei. Wer also Probleme mit den kapitalnahen Altparteien hat, sollte sich für die Freien Wähler entscheiden.

Gerne hätte ich an dieser Stelle auch die Freien Horizonte genannt, aber sie sind leider in Rostock nicht angetreten.

Wen sollte man besser nicht wählen, wenn einem das Klima und der eigene Geldbeutel am Herzen liegt?

Die Grünen. Das schreibe ich zutiefst ungern, weil ich die mir persönlich bekannten Grünen sehr hochschätze. Aber sie haben den IPCC-Bericht „SR 1.5“ nicht gelesen oder nicht verstanden und das ist schlimm genug. Sie lassen sich darüber hinaus von Milchmädchenrechnungen der Verbrenner-Lobby beeindrucken, die doch so leicht durchschaubar sind. Und sie sind nicht bereit, die Folgekosten zu bedenken. Sie nehmen auch in Kauf, dass wegen der aktuellen Nichtverfügbarkeit der im Klärschlamm enthaltenen Phosphate uranhaltige P-Dünger importiert und auf den Äckern ausgebracht werden.

Die LINKE. Auch das tut weh. Sie bezeichnet die Verbrennung als „kommunal“ und vermag sich offenbar nicht vorzustellen, dass auch CO2-freie Verfahren kommunal betrieben werden können bzw. sollten. Ansonsten trifft alles bei den Grünen Geschriebene auch auf die LINKE zu. Leider. – Aber es gibt auf der LINKEn Kandidatenliste für die Bürgerschaft (mindestens?) zwei positive Ausnahmen: Die engagierten MitstreiterInnen gegen Verbrennung und für CO2-freie Alternativen Jutta Reinders und Thomas Koepcke. Die kann, die sollte man wählen!

Die SPD. Auch sie ist vorbehaltlos für die Verbrennung. Als Argument war die von der Verbrenner-Lobby vorgetragene Behauptung zu hören, die alternativen Verfahren seien noch nicht ausgereift genug für die erforderliche Entsorgungssicherheit im zur Verfügung stehenden Zeitraum. Das stimmt zwar nicht, aber wer informationsresistent ist und auch den „SR 1.5“ ignoriert, der kommt bei mir leider auf die Liste der Klimafeinde.

Den Rostocker BUND. „Der Rostocker Bund erweist sich seit 2002 Jahren als solch eine Stimme“ (für Zivilcourage in der Bürgerschaft, Quelle: https://rostocker-bund.com/). Auf der Webseite des RB findet sich eine lange Liste von Erfolgen, die sich der RB zurechnet. Zum Umgang mit Klärschlämmen habe ich nichts gefunden, aber die Vorsitzende und OB-Kandidatin Frau Dr. Bachmann ist für Verbrennung und glaubt, im Rahmen des BimSchG könne man das beantragte Verbrennungsverfahren noch zugunsten andere CO2-freier Verfahren abwandeln – ein Beispiel von absoluter Ahnungslosigkeit, wie ein BimSchG-Verfahren abläuft. Ansonsten gelten die bei anderen Parteien bereits gemachten negativen Anmerkungen. PS. Das mit den 2002 Jahren ist kein Tippfehler von mir! Aber in soooo langer Zeit konnte man natürlich viele Erfolge sammeln!

Die UFR – „Unabhängige Bürger für Rostock“ sind als Methling-Unterstützer bekannt, ihr Spitzenkandidat ist Dr. Zierau. Auf einer OB-Fragerunde gefragt, wie er zur Klärschlammverbrennung stehe, antwortete er mit anderen Kandidaten, dass er sie nicht befürworte. Leider verschwieg er in seiner Antwort, dass er bis Anfang 2017 Geschäftsführer der „Klärschlamm-Kooperation MV GmbH“ war, deren ausschließliches Ziel von Anfang an die Klärschlamm-Verbrennung ist.

Es gibt noch andere Bürgerschaftskandidaten, aber ich will es hiermit bewenden lassen und lieber einen Anhang zum schlimmen Kostenthema anfügen, sobald ich dafür Zeit finde.

 

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