Müllverbrennung im Rostocker Agenda-21-Rat

Auf einer Agenda-21-Rat-Sitzung hatte der Verein „Rostocker Initiative für eine zukunftsfähige Kreislaufwirtschaft und gegen Müllverbrennung e.V.“angeregt, das Thema „Recyceln statt Verbrennen“ auf die Tagesordnung zu setzen. Das ist geschehen, aber mit schlimmen Fake-News schon im Vorfeld!!!

Im „Warnow-Kurier“ vom 12.08.2017 lesen wir auf Seite 8 zu diesem Thema u.a.:

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Das ist dreifach falsch, denn

  1. geht es nicht um einen „kleinen verbleibenden Rest“, sondern um den Hauptstrom des Abfalls,
  2. wird zumindest in Rostock nicht in einer Anlage „mit höchsten Schutzeinrichtungen“ verbrannt, sondern in einer Anlage, die z.B. nur eine völlig unzeitgemäße, unzureichende Entstickung der Abluft vornimmt und die einen Großteil der überwachungspflichtigen Schadstoffe nur einmal im Jahr messen muss.
  3. Die übrigbleigende Asche muss auch nicht „weiterhin auf Deponien gelagert“ werden, sondern umfasst drei Stoffströme: (a) Die Rostschlacken, die  trotz aller Schadstoffgehalte bedingt als Straßenunterbau eingesetzt werden dürfen; (b) die abgefilterten Feinstäube, die wegen ihrer hohen Giftigkeit in stillgelegten Bergwerken eingelagert werden müssen; (c) diejenigen Feinstäube, die im Filter nicht zurück gehalten werden und über den Schornstein in die Umgebungsluft entweichen (und die auch hochgiftig sind).

Weiterhin ist im WK zu lesen:

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Auch unzutreffend! Denn das klimaverändernde CO2 entsteht am allerwenigsten „aus den organischen Bestandteilen des Restmülls“! In Rostock ist seit vielen Jahren die braune Tonne eingeführt, im Restmüll landen nur wenige Fehlwürfe. Diese fischt die mechanisch-biologische Anlage heraus. Dennoch wird unvertretbar viel CO2 emittiert. Das stammt jedoch nicht von den kaum vorhandenen organischen Bestandteilen, sondern von den aus Erdöl gewonnenen Produkten. Nicht umsonst bezeichnet Vattenfall die Anlage als „SBS-Heizkraftwerk“. Mit SBS ist sogenannter, hochkalorischer Sekundärbrennstoff gemeint – also vor allem Plastik aller Art. Die man besser recyceln würde wegen

  1. der vollständigen Vermeidung des derzeit emittierten CO2,
  2. deutlicher Einsparung von Energie (die Erstherstellung von Plastik ist erheblich energieaufwendiger als das Recyceln),
  3. der Schaffung von zusätzlichen Arbeitsplätzen im Recyclingbereich und entsprechender Wertschöpfung,
  4. der durch die Kreislaufführung wertvoller Ressourcen möglichen anteiligen Importunabhängigkeit. Man muss dann nicht mehr so viele „deutsche Interessen am Hindukusch“ und andernorts vertreten/verteidigen.

Und jetzt kommt der Hammer:

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Also nicht unser Verein, sondern Vattenfall wird vortragen? In der Einladung zur Agenda-21-Rat-Sitzung steht etwas anderes:TO

Was stimmt denn nun? Oder anders gefragt: Wer hat denn da so heftig dran gedreht?

Eine Nachfrage bei der Geschäftsstelle des Agenda 21-Rates ergab eine schnelle und klare Aussage: „Leider ist der Presseartikel, den Sie auch in anderen Zeitungen wiederfinden, nicht korrekt… Seien Sie insofern beruhigt, die Tagesordnung bleibt wie ursprünglich mit Ihnen abgestimmt. Herr Prof. Dr. Nieke wird am Anfang der Sitzung auch nochmals auf den veröffentlichten Zeitungsartikel eingehen und diesen revidieren…“. Danke, Herr Fischer!

Update vom 16.8.17

Die falsche Information ist sogar überregional veröffentlicht worden, z.B. im FOCUS. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, folgende Pressemitteilung herauszugeben:

Fake News aus dem Rostocker Rathaus?

Vor einigen Tagen veröffentlichten verschiedene regionale Zeitungen eine Information über die „Beratung zur Müllverbrennung“ auf der Sitzung des Rostocker Agenda-21-Rates am 23.08.2017 ab 17:30 Uhr im Rostocker-Rathaus: „Die Firma Vattenfall als Betreiberin der Rostocker Müllverbrennungsanlage wird den aktuellen Stand der Technologie und mögliche Perspektiven für eine Weiterentwicklung darstellen“. Diese Information ist falsch, auch wenn sie auf einer Presseinformation der Stadtverwaltung beruht (http://rathaus.rostock.de/sixcms/detail.php?id=56791&_sid1=rostock_01.c.261.de&_sid2=rostock_01.c.392.de&_sid3=rostock_01.c.141555.de).

Richtig ist und so auch auf der Einladung zur August-Sitzung des Agenda-21-Rates ausgewiesen (http://rathaus.rostock.de/sixcms/media.php/1598/2017-08-23%20Tagesordnung.pdf), dass der Verein „Rostocker Initiative für eine zukunftsfähige Kreislaufwirtschaft und gegen Müllverbrennung e.V.“ vortragen wird.

Über eine diesbezügliche Information in Ihrer Zeitung freuen wir uns.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Günter Hering, Rostocker Initiative für eine zukunftsfähige Kreislaufwirtschaft und gegen Müllverbrennung e.V

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  1. Pingback: Kein Fake – keine News? | MVA in Rostock

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