Die Träume von der „grünen“ Energie

So wie früher die Alchemisten vom Stein der Weisen träumten, der die Umwandlung eines unedlen Metalles zu Gold oder Silber ermöglicht, so glauben heutzutage viele, mit „grüner“ Energie den Klimawandel aufhalten zu können. Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen sei klimaneutral, heißt es. Das ist ein Denkfehler, denn zum Anbau und zur nachfolgenden Verarbeitung nachwachsender Rohstoffe wird viel fossile Energie benötigt (Diesel in der Landwirtschaft, elektrische Energie bei der Verarbeitung), die in der Klimabilanz zu berücksichtigen ist.

Und selbst wenn Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen „klimaneutral“ wäre, würde sie nicht vor fortschreitender Erderwärmung schützen. Denn es ist bereits viel zu viel Kohlendioxid in der Erdatmosphäre. Jeder weiterer Ausstoß von Kohlendioxid beschleunigt den Klimawandel und sollte daher vermieden werden, wenn es Alternativen gibt.

Wie ernst die Situation ist, zeigt der Ende 2018 veröffentlichte Sonderbericht des Weltklimarats (https://www.de-ipcc.de/256.php): Wenn die Erderhitzung auf 1,5 Grad begrenzt werden soll, müssen in diesem Jahrhundert mehrere hundert Gigatonnen des Treibhausgases CO2 aus der Atmosphäre entfernt werden. Das geht unter anderem, indem man organische Substanzen nicht verbrennt (und auch nicht kompostiert), sondern carbonisiert. Ein Kilogramm davon bindet den Kohlenstoff aus drei Kilogramm CO2. Auch Klärschlamm kann man carbonisieren.

Unser Verein „Pro Recycling e.V.“ warnt deshalb vor schnellen Festlegungen zu dem künftigen Umgang mit kommunalen Klärschlämmen, zumal die Klärschlammverbrennung auf alle kommunalen Klärschlämme in Mecklenburg-Vorpommern ausgedehnt werden soll. Nicht ohne Grund gibt der Gesetzgeber bis 2029 Zeit für eine zukunftsfähige Umsetzung der neuen Verordnung, welche die Carbonisierung ausdrücklich zur Klärschlamm-Behandlung zulässt. Außerdem soll es 2023 eine Zwischenauswertung und Evaluierung zu den voraussichtlich günstigsten Maßnahmen zur Umsetzung der geltenden Klärschlammverordnung mit dem Gebot zum Phosphat-Recycling geben.

Wir fordern deshalb vor einer derartig strategischen Entscheidung (a) für einen Standort und (b) zur Behandlungstechnologie:

  1. Die Durchführung einer strategischen Umweltprüfung (SUP) mit Öffentlichkeitsbeteiligung sowohl zur Technologie (Verbrennen oder Carbonisieren) als auch zum Standort (zentral oder jeweils lokal) – natürlich mit Öffentlichkeitsbeteiligung.

  2. Eine umfassende Ökobilanz, die mit der Bewertung der „biogenen Herkunft“ kommunaler Klärschlämme beginnt und alle anschließenden Behandlungs- und Verwertungswege bis hin zum Verbleib eventueller Reststoffe sowie die Cadmium- und Uranbelastungen durch importierten Phosphatdünger wegen Nichtverfügbarkeit des im Klärschlamm enthaltenen Phosphors detailliert und nachvollziehbar darstellt.

Die Verbrennungs-Befürworter drängen auf schnelle Entscheidungen. Angesichts der vom Gesetzgeber vorgegebenen Fristen gibt es jedoch keinen Grund für überstürztes Handeln.

Die Kommunalvertreter und auch die Bürger sollten sich ausreichend sachkundig machen. Sie treffen Entscheidungen, die dann für Jahrzehnte festgeschrieben sind und nicht mehr rückgängig gemacht werden können – weder bei der Höhe der Abwassergebühren und erst recht nicht beim Klimawandel.

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3 Antworten zu Die Träume von der „grünen“ Energie

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