Was UNS die Klärschlamm-Verbrennung kosten wird

ALLE Kosten, die bei der Klärschlammverbrennung entstehen, werden in Form der Schmutzwassergebühr an uns Bürger und Gewerbetreibende weitergereicht.

Diese Schmutzwassergebühr berechnet sich bekanntlich nach der Höhe des verbrauchten Trinkwassers. Steigt sie gegenüber dem Istzustand deutlich an, ist das vor allem für diejenigen Gewerbetreibenden bedrohlich, die viel Wasser verbrauchen – allen voran die Beherbergungsbetriebe, denn Urlauber duschen oft und gerne. Die aus steigenden Schmutzwassergebühren resultierenden höheren Übernachtungspreisen in Rostock wird die auswärtige Konkurrenz begünstigen.

Aber auch andere Gewerbetreibende wären deutlich betroffen und müssten die erhöhten Kosten an ihre Kunden weiterreichen – beispielsweise die Friseure. So wie auch jeder Mieter die steigende Schmutzwassergebühr in den Nebenkosten wiederfindet.

Warum aber sollten die Schmutzwassergebühren durch die beabsichtigte Klärschlamm-Verbrennung steigen? Es gibt leider mehr als einen Grund.

1. Klärschlamm verbrennen ist die teuerste Lösung

Die „Klärschlamm-Kooperation MV GmbH“ (KKMV GmbH) will unbedingt verbrennen. Verbrennen ist die teuerste Option, eine gesetzeskonforme „thermische Hygienisierung“ einschließlich gesetzeskonformer Phosphat-Rückgewinnung wäre deutlich kostengünstiger (vgl. Pkt. 2).

a. Die Höhe der Investitionskosten ist geschönt

Die KKMV GmbH nennt einen Investitionsbetrag von 50 Mio. €. Der Baupreis für die Referenzanlage Zürich betrug nach Endabnahme 69.176.376,11 CHF (13.12.2016), das entsprach 61.643.810,67 €. Und die Schweizer sind bekannt als harte Rechner und haben auch im konkreten Fall ihrem Auftragnehmer einen nicht aufweichbaren Kostenrahmen vorgegeben. Ob das auch die KKMV GmbH schafft, bleibt anzuzweifeln (man denke an BER, Stuttgart 21, Elbphilharmonie).

Inzwischen sind die Baupreise deutlich gestiegen. Es wird also nicht bei den aktuell genannten 50 Mio. € bleiben und sich eher bei der doppelten Höhe einpendeln.

b. Eine 90 %ige Kreditfinanzierung verteuert das Vorhaben noch mehr

Die KKMV GmbH hat kaum eigenes Geld und will deshalb 90 % der Investition über Kredite finanzieren und diese über 30 Jahre hinweg tilgen. Nehmen Sie einen beliebigen Kreditrechner aus dem Internet und prüfen Sie selbst, wie sich ein Baupreis bei einer Tilgung über 30 Jahre hinweg erhöht!

c. Hohe, noch unbekannte Kosten für die Phosphat-Rückgewinnung

Der Gesetzgeber schreibt neben der „thermischen Hygienisierung“ auch eine Rückgewinnung der Phosphate aus dem Klärschlamm vor. Dafür haben die Verbrenner keine Lösung! Die Asche soll daher auf einer Mono-Deponie zwischengelagert werden (das kostet!), um später die Phosphate zu gewinnen. Wie kostenaufwendig das wird, kann z.Z. niemand abschätzen.

Auch diese noch gar nicht abschätzbaren Kosten werden (später) auf die Schmutzwassergebühr aufgeschlagen, denn verantwortlich für die Phosphatrückgewinnung sind und bleiben die Kommunen.

d. Die CO2-Bepreisung kommt schneller als der Ofen raucht

CO2-Emissionen werden in Kürze mit einer CO2-Steuer belegt, obwohl wir Bürger im konkreten Fall keinen Einfluss auf die CO2-Emissionen nehmen können (außer unsere Unterschriften verhindern noch den Bau des „Fäkalienofens“).

Über den klimapolititsch verantwortungslosen Aspekt einer zusätzlichen, vermeidbaren Verbrennung argumentieren wir an anderer Stelle, hier sollen die Kosten betrachtet werden.

e. Kosten infolge gesundheitlicher Beeinträchtigungen

Bei jeder Verbrennung entstehen zusätzliche Luftbelastungen, die zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen können – auch dann, wenn vorgegebene Grenzwerte eingehalten werden. Für die Betroffenen können erhebliche Behandlungskosten entstehen. Sie sind aber pauschal nicht quantifizierbar.

2. Es gibt kostengünstigere und CO2-freie Alternativen

Der Gesetzgeber fordert für Klärschlämme aus Anlagen, an die mindestens 50.000 Einwohner angeschlossen sind, eine thermische Hygienisierung und die Phosphatrückgewinnung. Drei verschiedene Lösungsansätze, die unter Luftausschluss arbeiten und daher kein CO2 freisetzen, können das leisten:

  • Vergasung von getrocknetem Klärschlamm (analog der seit 1938 bewährten Braunkohlevergasung zur Produktion von Synthesegas),
  • Hydrothermale Carbonisierung (HTC) analog der Sterilisierung von OP-Besteck in der Medizin, nur eben großtechnischer,
  • die klassische Pyrolyse von getrocknetem Klärschlamm verläuft analog der Holzkohleproduktion in einem Meiler (siehe Köhlerhof Wietgenhagen), nur eben technisch optimiert und kontinuierlich betreibbar.

Vergasung wird aktuell auf den Kläranlagen Mannheim, Balingen, Renningen praktiziert. Das ist also Stand der Technik. Die Technologie ist beliebig skalierbar bis herunter zu (Holz-) Vergasern für Pkw, kann also direkt neben der jeweiligen Kläranlage errichtet und betrieben werden. Jegliche Klärschlamm-Transporte entfallen.

HTC wird unterschiedlich bewertet. Die Uni Hohenheim merkt an: „Verfahren ist nicht ganz billig, wenn man es als Phosphat-Gewinnung betrachtet. Rückgewinnung von ca. 80% P als Struvit. Struvit ist ein anerkannter Dünger und aus unserem Verfahren schwermetallfrei.“ Andere bewerben HTC als „Vorschaltverfahren“ für die Verbrennung – dann ist das Gesamtprocedere jedoch nicht CO2-frei. Anders die Firma HTCycle, die in Murchin bei Anklam eine HTC-Industrieanlage betreibt und betont, dort Aktivkohle zu produzieren, 95% des im Klärschlamm enthaltenen Phosphors zu gewinnen und MAP herzustellen, „ohne irgendetwas übrig zu haben, das verbrannt werden muss“. Auch dieses Verfahren soll beliebig skalierbar sein und damit Klärschlamm-Transporte vermeiden.

Pyrolyse kommt den Empfehlungen des Weltklimarates am nächsten, ist aber in Deutschland nur für kleinere Klärschlammaufkommen verfügbar. Das Verfahren ist energieautark, für das kohleähnliche Endprodukt liegt eine EU-Zulassung als Dünger vor. Würde man alle zur KKMV GmbH gehörenden Kläranlagen mit Pyreg-Anlagen ausstatten, käme man auf einen Investitionsaufwand von rund 36 Mio. €. Dazu später mehr, aber im Vergleich mit dem Verbrenner-Vorhaben eine interessante Zahl und noch dazu ohne Transportaufwand und ohne CO2-Emission!

3. Schlussfolgerung

Die aktuell laufende Unterschriftensammlung in Form eines Bürgerbegehrens fordert deshalb die neugewählte Bürgerschaft auf, das Genehmigungsverfahren für eine Klärschlammverbrennung in Rostock zu stoppen und in aller Ruhe und Gründlichkeit sich über die kostengünstigeren und CO2-freien Alternativen zu informieren.

Dazu brauchen wir viel Unterstützung, um die Mindestanzahl für ein Bürgerbegehren in Rostock zu erreichen oder gar zu überbieten: 4000 gültige Unterschriften Rostocker Bürger!

Kontakt zur Nutzung der verfügbaren Unterschriftenlisten bitte über recycling-rostock@freenet.de

Details zu möglichen Alternativen finden Sie u.a. auf unserem Blog, in Sonderheit auf https://mvahro.wordpress.com/klaerschlamm-verbrennen/ und noch spezieller unter https://mvahro.wordpress.com/klaerschlamm-verbrennen/tagungsmaterial-02-03-2019/

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