Klima und Zeitung

Die „Ostsee-Zeitung“ macht in ihrer aktuellen Wochenendausgabe wieder einmal deutlich, welchen Stellenwert sie dem Klimawandel und seinen Folgen beimisst.

(Erst) auf Seite 6 geht es los: Unter der Überschrift „Der Klimawandel wird nicht in Deutschland gestoppt“ findet sich eine Sammlung überwiegend kruder Leserbriefe. Unter einem Bild einer Schülerdemo (!) lesen wir u.a.:

„Der Klimawandel wird nicht in Deutschland gestoppt. Niemals. Dann müssen wir in Russland, China, Amerika demonstrieren gehen, sonst bringt das gar nichts.“

„Notstand an der Ostsee. Lachhaft. Wir sollten in unserem Land allmählich den Ball mal wieder flach halten. Die Welt lacht sonst über uns.“

„Wie überheblich der Mensch doch ist, dass er meint, alles auf dieser Welt beeinflussen zu können.“

„Im Kontext der Erhaltung unseres Planeten sind klimaorientierte Notstandsmaßnahmen eigentlich ein Zurück zur Normalität. Man stelle sich vor, der Klimawandel ist gestoppt – soll es dann heißen: ,Notstand’ aufgehoben, macht weiter wie davor?’ Aktuell schmilzt der Permafrost in einigen Regionen wesentlich schneller als erwartet – man ist dort 70 Jahre voraus. Das Schmelzen des Permafrost wird als Kipppunkt fürs Klima betrachtet. Bis dort wieder was gefriert, dauert es Äonen. Bis dahin also ,Notstand’?“

Was sind gegen solche veröffentlichungswürdige (???) Zuschriften schon dieStudents for Future“  oder die „Scientists for Future“?

Mit den zitierten Leserzuschriften lässt es sich wunderbar auf Dummenfang gehen und einen positiven Artikel über die beabsichtigte Klärschlamm-VERBRENNUNG publizieren (Seite 14 der Sonntagsausgabe):

Eine Verbrennungsanlage für Klärschlamm soll der erste Beitrag zur Energiewende sein.

Dies sei ein erster Beitrag zur Energiewende und die Hansestadt übernehme damit Verantwortung für die gesamte Region, sagt Bau-Senator Holger Matthäus.

Insgesamt geht man von einer CO2-Einsparung von 10 000 Tonnen pro Jahr aus.

Die OZ unterschlägt in ihrem Beitrag, dass

  • eine Klärschlamm-Verbrennung niemals ein Beitrag zur Energiewende sein kann, denn jede Verbrennung setzt CO2 frei (lernt man eigentlich in der Schule),
  • sich die behaupteten CO2-Einsparungen nur auf den verminderten Transportaufwendungen durch dezentrale Vortrocknung beziehen,
  • die behaupteten CO2-Einsparungen viel größer sein könnten, wenn die Klärschlämme überhaupt nicht transportiert würden, sondern dort thermisch behandelt (aber nicht verbrannt!) würden, wo sie anfallen (was auch den gesamten Investitionsumfang mindern würde),
  • von den drei genannten Vortrocknungs-Standorten mindestens einer (Stavenhagen) entfällt, weil dort EEW das Sagen hat und selbst verbrennen will/wird,
  • die Baukosten viel zu niedrig angesetzt wurden, denn die angeblich baugleiche Referenzanlage in Zürich kostete  nach Endabnahme 69.176.376,11 CHF (13.12.2016), das entsprach 61.643.810,67 €. Und die Schweizer sind bekannt als harte Rechner und haben auch im konkreten Fall ihrem Auftragnehmer einen nicht aufweichbaren Kostenrahmen vorgegeben. – Die KKMV GmbH hingegen nennt einen Investitionsbetrag von nur 50 Mio. €. Inzwischen sind aber die Baupreise deutlich gestiegen. Es wird also nicht bei den aktuell genannten 50 Mio. € bleiben und sich eher bei der doppelten Höhe einpendeln.
  • das Vorhaben nur deshalb kostendeckend ist, weil alle, aber auch alle Kosten (Planung, Bau, Betrieb, Entsorgung der Abfälle, spätere Phosphat-Rückgewinnung aus der Asche) von den Bürgern als „Schmutzwassergebühr“ bezahlt werden müssen.

Ob eine derart unvollständige Berichterstattung redlich ist, mögen die Leser entscheiden.

Immerhin bietet die OZ wichtige (?) Hinweise an, wie man in heißen Nächten gut schlafen kann.

Qualitätsjournalismus eben.

 

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4 Antworten zu Klima und Zeitung

  1. Kain Frosch schreibt:

    „jede Verbrennung setzt CO2 frei (lernt man eigentlich in der Schule)“. Dem kann ich nur zustimmen. Nicht aufgepasst, Herr Senator Matthäus, oder gar geschwänzt? Es ist äußerst beunruhigend, wie viele Politiker, die großen wie die kleinen, kaum Faktenwissen besitzen und nicht logisch (geschweige denn dialektisch) denken können

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    • F. Heidemann schreibt:

      Vielleicht hat der Umweltsenator auch nicht geschwänzt, sondern verfolgt nur konsequent grüne Politik? Die taz beschreibt die aktuelle „grüne“ Politik wie folgt: „Wer Dosenbier trinken, Diesel fahren oder hemmungslos um die Welt fliegen will, darf das aus grüner Sicht gerne tun – solange er sein Kreuzchen an der richtigen Stelle macht. Wer will schon individuelle Lebensstile beurteilen? Radikale Wachstumskritik, wie sie etwa der Volkswirtschaftler Niko Paech vertritt, spielt in der grünen Kommunikation keine Rolle mehr. Wäre ökologisch sinnvoll, ist aber unbequem.“ (https://taz.de/Kommentar-Gruene-im-Hoehenflug/!5604236/).

      „Die interessante Frage ist, ob das grüne Erfolgsmodell kollabiert, wenn sie in Regierungsverantwortung kommen. In ihrer breit gewordenen Wählerschaft gibt es harte Interessensgegensätze, die nicht durch freundliches Reden aufgelöst werden können. Reale Entscheidungen werden Enttäuschungen produzieren.“

      Hoffentlich kollabieren sie, diese Gift-Grünen!

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  2. Günter Hering schreibt:

    Meinen Leserbrief zum Thema „Klima und Klärschlammverbrennung“ hat die OZ nicht veröffentlicht. Ich schrieb am 20.5. folgendes:
    „Klimanotstand und Klärschlamm VERBRENNEN – wie passt das zusammen?
    Rostock will also den Klimanotstand ausrufen, aber gleichzeitig wird das Vorhaben, Klärschlämme zu VERBRENNEN, weiter verfolgt. Wie passt das zusammen? Jede Verbrennung erzeugt zusätzlich Kohlendioxid. CO2-freie Alternativen gibt es, sie sind sogar kostengünstiger.
    Wann wird aus Politsprech endlich ehrliches Handeln?

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  3. Pingback: Märchen zur Klimaneutralität (Teil 1) | Gegen Verbrennung – in Rostock und andernorts

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